Erinnerungen an eine Schreckenszeit

Holocaust-Überlebender David Salz sprach in Schule

David Salz wurde in Berlin geboren und lebt seit 1946 in Tel Aviv (Israel). Er gehört zu den wenigen noch lebenden Zeitzeugen des Holocaust und hat sich der so traurigen wie wichtigen Aufgabe verschreiben, als Überlebender das Andenken an die Toten der Vernichtungslager wachzuhalten, denn schweigen hieße, sie ein zweites Mal umzubringen. David Salz sprach in der Aula der Realschule Maschstraße vor vier Klassen des neunten Schuljahrs über die Schreckenszeit, und die 14- bis 15-Jährigen lauschten gespannt und konzentriert seinen detailreichen Erinnerungen, die ihn noch heute sichtbar bewegen.

1939, zynischerweise am Heiligen Abend, wurde sein Vater in Berlin von den Nazis erschossen, und 1942 wurde die Mutter, die als Zwangsarbeiterin bei Siemens arbeitete, direkt von der Arbeit nach Auschwitz deportiert und dort vergast. Ebenfalls 1942 wurde David Salz, gerade 13 Jahre alt, nach Auschwitz verschleppt, wo er bald die ersten Selektionen, die über Leben und Tod entschieden, überstand.

Zuvor hatten ihm allerdings ältere Häftlinge geraten, nur nicht aufzufallen, sich reinlich zu halten, nichts abzulehnen, sich aber auch nicht freiwillig zu etwas zu melden, und so wurde er als Elektriker eingesetzt. Hart, bis zu 16 Stunden täglich, sei die Arbeit gewesen, und das bei spärlicher Verpflegung.

Hier erinnerte er sich daran, dass die Brotrationen, die von den Kommunisten verteilt worden seien, die reellsten und gerechtesten gewesen seien. Im Januar 1945, die Alliierten rückten näher, wurde das Lager aufgelöst, und es folgte der „Todesmarsch“ von Auschwitz nach Gleiwitz, den der junge David so eben noch überstand. Von Gleiwitz aus fuhren die hungernden und frierenden Häftlinge in offenen Kohlewaggons bei Scheeregen Richtung Nordhausen in das KZ Mittelbau-Dora, wo die Nazis in unterirdischen Stollen die Waffe V2 produzierten und an deren Herstellung die geschwächten Häftlinge unter erbärmlichen Bedingungen mitarbeiten mussten.

Waren die hygienischen Verhältnisse in Auschwitz schon schwierig gewesen, so waren die Zustände hier geradezu katastrophal, erinnerte sich Salz bewegt, und in einer Bombennacht floh der von unbändigem Lebenswillen beseelte Junge aus dem Lager, das die Hölle war. Abenteuerlich und spannend war die Flucht, die ihn über Stationen bei den Amerikanern und Russen letztlich nach Berlin und von dort nach Israel brachte, wo er seinen Wunschberuf Elektriker erlernen konnte.

Äußerst anschaulich und farbig berichtete Salz von der Schreckenszeit. Auch Dankbarkeit und Demut über das unerklärliche Glück, überlebt zu haben, schwang in seinen Worten mit. „Nein, Hass- oder Rachegefühle empfinde er nicht.“

Braunschweiger Zeitung vom 31.10.2001

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