Die Vergangenheit ist noch immer Gegenwart

Von Dieter Schäfer

Schüler der Realschule Maschstraße gewannen Bundeswettbewerb der Konrad-Adenauer-Stiftung – Preisverleihung am Montag in Berlin

Riesenerfolg für Schüler der Realschule Maschstraße: 17 Mädchen und Jungen aus dem Wahlpflichtkurs (WPK) Deutsch haben im Bundeswettbewerb „DenkTag“ der Konrad-Adenauer-Stiftung gewonnen. Die Realschüler setzten sich mit dem Thema „Nationalsozialismus, Rechtsextremismus und Gewalt“ auseinander und haben dazu eine Internet-Homepage erarbeitet.

Rund 130 Schulklassen aus dem gesamten Bundesgebiet hatten beim Wettbewerb „DenkTag“ mitgemacht.

Am Montag wird der Generalsekretär der Stiftung, Wilhelm Staudacher, im Hause der Stiftung in Berlin den Gewinnern die Preis überreichen. „Alle Arbeiten waren gut“, versichert er. „Aber wir konnten nur die Besten einladen.“

Die 15- bzw. 16-Jährigen haben ihr Thema „Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit“ auf einer Homepage eindrucksvoll dargestellt. Vor allem geht es um die Bemühungen der Schule im Bereich Gewalt, Holocaust, Nationalsozialismus.

In dem langen Gespräch mit dem Zeitzeugen David Salz aus Israel lernten die Jugendlichen in Ansätzen Schrecken und Grauen des Nationalsozialismus kennen. Gleichzeitig zogen sie Parallelen zur Gegenwart: „Unsere Generation ist dafür verantwortlich, dass sich diese Ereignisse auch ansatzweise niemals wiederholen“, stellt Schüler Benny Burghard fest.

David Salz aus Israel stand den Jugendlichen Rede und Antwort. Deutsch-Geschichte- Politik-Lehrerin Eva-Maria Ahlers-Görlach hatte den Kontakt zu ihm geknüpft. Janina Klipan und Olga Steer luden den 73-jährigen Berliner ein. „Seine Schilderungen waren schlimm“, sagen die Mädchen.

Detailliert berichten die Schüler auf ihrer Homepage von dem Gespräch. Salz war von den Nationalsozialisten zunächst ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und später in den Mittelbau-Dora bei Nordhausen verlegt worden.

Als die Alliierten die Anlage kurz vor Kriegsende bombardierten und die Bewacher in Deckung lagen, gelang dem damals 16-Jährigen die Flucht.

Die Jugendlichen hatten viele Fragen an David Salz. In dem emotional aufgeladenen Gespräch wollten sie wissen, ob er damals Angst hatte zu sterben, sie interessierten sich dafür, wie er seine Kindheit charakterisiere, und sie fragten nach Freunden in dieser schlimmen Zeit.

„Ich kann mich gar nicht erinnern, mich in Mittelbau-Dora jemals gewaschen zu haben“, berichtete Salz. Immer wieder tupfte sich der alte Mann Tränen aus den Augen. Auch nach 60 Jahren ist die Vergangenheit noch Gegenwart.

Die Realschüler übertrugen das Geschehen von damals auf die Gegenwart: „Es gibt auch heute zahlreiche Rechtsradikale, die mit unserer Demokratie nichts anfangen können“, bedauert Sven Grünert. Gleichzeitig weist er auf Projekte hin, die Rechtsextremismus bekämpften.

Beim Staatsschutz erfuhren die Schüler, dass die rechtsextreme Szene in Braunschweig rund 50 Mitglieder hat. Darüber hinaus besuchten die jungen Leute die Ausstellung „Rechte Jugendkultur“, machen mit bei den Projekten „Schritte gegen Tritte“ und „Stark ohne Gewalt“, und sie führen das Projekt „Konfliktlotsen“ fort.

Dienstag, 21.01.2003

Foto: David Taylor, Braunschweiger Zeitung

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