Trauer und Unruhe: Farbe für Gefühle

Von Nadine von Wille

Schüler beschäftigen sich mit der Integrations-Ausstellung „Hier geblieben“ und gestalten Rahmenprogramm

Was passt besser in das Begleitprogramm der Ausstellung „Hier geblieben“, als von Schülern gestaltete Projekte? Sie erleben die Notwendigkeit von Integration im täglichen Miteinander. Sie können zeigen, wie selbstverständlich das Hineinwachsen von Jugendlichen in einen neuen Sprach- und Kulturraum möglich ist.

Dass dies gelingt, zeigten Schüler und Schülerinnen der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule mit einem musikalischen Begleitprogramm im Landesmuseum. Das Motto: Hier geblieben und angekommen – in der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule und damit in Braunschweig. „Ein Drittel unserer Schüler wurde in osteuropäischen Staaten geboren“, erläutert Schulleiter Hartmut Lägel. Viele weitere kommen aus anderen Kulturen und Ländern.

Dass dies eine kulturelle Bereicherung ist, davon konnten sich die Besucher in einem unterhaltsamen Konzert überzeugen. Die Jugendlichen sangen Lieder aus ihren Herkunftsländern, führten den russischen Balaleika-Tanz und orientalische Tänze auf – ein bunt gemischtes Programm, das auch Platz für Sachinformationen ließ.

Neuankömmlinge kommen in der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule direkt in eine normale, nicht in eine seperate Sprachförder-Klasse. „Spracherwerb geschieht am schnellsten unter Gleichaltrigen“, sagt Schulleiter Lägel. Und so trauten sich auch die Neuankömmlinge und führten, in noch gebrochenem Deutsch, „Rotkäppchen“ auf. Eine gemeinsame Sprache – unersetzlich für gelungene Integration. Insgesamt wirkten 150 Schüler und Schülerinnen an diesem Abend im Rahmen der Ausstellung „Hier geblieben“ mit. Über weit weniger Personalkraft verfügte ein anderes Schüler-Projekt, das sich mit der Ausstellung „Hier geblieben“ auseinander gesetzt hat. Das Ergebnis kann sich dennoch – wortwörtlich – sehen lassen. Elf Schülerinnen der Realschule Maschstraße und des Wilhelm-Raabe-Gymnasiums haben das Thema künstlerisch bearbeitet.

Das Ergebnis: Zwei große Bilder, die noch bis zum Ende der Ausstellung im Januar im Foyer des Landesmuseums stehen werden. An zwei Wochenenden setzten sich die Teilnehmerinnen mit den Künstlerinnen Nejla Gür und Sabina Kaluza zusammen. Nicht zufällig mit diesen beiden. Sie sind nach Braunschweig zugewandert. Nejla Gür aus der Türkei und Sabina Kaluza aus Polen. Sie haben zu der Thematik der Ausstellung daher einen besonderen Bezug.

Der Dialog zwischen Okzident und Orient steht im Mittelpunkt des einen Bildes. „Wir wollten zeigen, wie eine Frau aus der Fremde hierher kommt und glücklich wird“, erläutert die 19-jährige Nicole Flieger die Bildinhalte. Das andere Bild teilt sich in Gut und Böse. „Die Ausstellung hat mich betroffen gemacht. Diese Trauer und Unruhe wollte ich malerisch umsetzen“, sagt die 16-jährige Annika Babatz.

Aber nicht nur inhaltlich konnten die Schülerinnen viel von der Ausstellung und den Künstlerinnen lernen. Sie zeigten ihnen vor allem vielseitige technische Möglichkeiten des Malens auf und begleiteten die Idee von der Skizze bis hin zur Umsetzung auf dem Großformat. „Es ist toll, dass wir einmal die Möglichkeit hatten, so großflächig zu arbeiten“, sagt Ulrike Schröter, Kunstlehrerin an der Realschule Maschstraße.

Braunschweiger Zeitung, 02.12.2003

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