Dem Bundespräsidenten die Hand drücken

Von Dieter Schäfer

Realschüler gewannen Wettbewerb „Politik brandaktuell“ der Bundeszentrale für politische Bildung

Riesenerfolg für die Schüler des Wahlpflichtkurses Deutsch der Realschule Maschstraße: Die Jugendlichen schütteln Anfang Mai Bundespräsident Johannes Rau im Schloss Bellevue die Hand. Die 21 Mädchen und Jungen haben im Wettbewerb „Politik brandaktuell“ der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn eine Sechs-Tage-Reise in die Hauptstadt gewonnen.

Die 15- bis 17-Jährigen aus den 10. Klassen der Realschule beschäftigten sich mit dem Aus der Orientierungsstufe zum Ende des Unterrichtsjahres. Gearbeitet wurde überwiegend in kleinen Gruppen.

„Im kleineren Kreis wird eher ein tragbares Ergebnis erzielt als in einer großen Gruppe“, erläutert Wettbewerbs-Lehrerin Eva-Maria Ahlers- Görlach. „Die Schüler haben ihre Arbeitsergebnisse in einer acht Seiten starke Mappe zusammengefügt.“

Die Jugendlichen besuchten mehrere Grundschulen und Orientierungsstufen, sie sprachen mit Lehrern und Schülern, diskutierten mit Politikern. Der Braunschweiger CDU-Schulpolitiker und Landtagsabgeordnete Kurt Schrader besuchte sie im Klassenzimmer.

Die jungen Leute haben kein Verständnis für die Entscheidung, die Orientierungsstufe aufzugeben. „Ich finde, die Jahre an der Orientierungsstufe sind keine verlorenen Jahre“, stellt Carolin Nowicki aus der Klasse 10a fest. „Für die Lehrer ist es nicht einfach, eine Klasse vorpubertierender Schüler an das anstrengende Schulleben nach der Orientierungsstufe zu gewöhnen.“ „Ob die Abschaffung der Orientierungsstufe zur Verbesserung der Bildung beitragen wird, wird sich in den nächsten Jahren zeigen“, fügt Bastian Gereke (Klasse 10b) hinzu.

Kurt Schrader konnte die Realschüler nicht überzeugen: Argumente vom zu schnellen und zu häufigen Schulwechsel, einer Kuschelpädagogik und der katastrophalen Pisa-Studie zogen bei den Jugendlichen nicht. „Er machte die Orientierungsstufe schlecht“, beklagten sie. „Herr Schrader meinte, die Jahre in der Orientierungsstufe seien Schonjahre“, bedauert Michaela Weiß (Klasse 10d). „Das ist nicht richtig. Diese Schule war ein guter Übergang zu den weiterführenden Schulen.“ Herbe Kritik übt auch Christin Thinius (Klasse 10c): „Die CDU macht es sich sehr einfach. Sie hat die Reform beschlossen. Der Rest scheint sie nicht zu interessieren.“

Die Leiterin der Orientierungsstufe Hohestieg sagte: „Ich vermisse, dass Erfolge der Orientierungsstufe nicht aufgearbeitet und in das neue Schulsystem eingearbeitet werden.“

Lob von der Bundeszentrale bekamen die Schüler vor wenigen Tagen: „Die Jury war von der inhaltlichen Qualität und kreativen Gestaltung eures Beitrages außerordentlich beeindruckt“, erfuhren die Jugendlichen. Dem Gremium gehörten Lehrer, Schulräte und Vertreter der Kultusministerin an. Übernachtet wird im Mai in einer Jugendherberge.

Braunschweiger Zeitung, 09.03.2004

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