Weite Welt im Schloss Bellevue

Von Dieter Schäfer

Bundespräsident Johannes Rau empfing Realschüler aus der Maschstraße

„Das Schloss ist Klasse“, „hier will ich auch leben“. Die Schüler des Wahlpflichtkurses Deutsch der Realschule Maschstraße waren begeistert. 21 Mädchen und Jungen hatten im Wettbewerb „Politik brandaktuell“ der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn eine Sechs-Tage-Reise nach Berlin gewonnen. Im Schloss Bellevue schüttelten sie Bundespräsident Johannes Rau jetzt die Hand.

Im Mittelpunkt der politischen Schülerarbeit stand das Aus für die Orientierungsstufe zum Ende dieses Unterrichtsjahres. Die jungen Leute haben kein Verständnis für die Entscheidung. Detailliert und sachkundig erläuterten die 15- bis 17-Jährigen ihre Ablehnung – und überzeugten die Jury, der Lehrer, Schulräte und Vertreter des Kultusministeriums angehörten.

Johannes Rau hat zu Braunschweig eine berufliche Verbindung. „In Braunschweig habe ich früher Briefmarken gekauft“, berichtete der gelernte Buchhändler den Schülern. „Das ist aber schon lange her. Dennoch weiß ich, dass die Stadt sehenswert ist.“

Als „sehenswert“ empfanden die Jugendlichen das Schloss Bellevue: Die riesigen, reich verzierten Räume, die schweren Kronleuchter beeindruckten. „Sonst kennt man diese Großzügigkeit nur aus Filmen“, stellten die Mädchen und Jungen fest. Der Bundespräsident empfing die Braunschweiger in dem Raum, in dem er sonst die Staatsgäste der Bundesrepublik begrüßt.

Mit etwas Herzklopfen war Maxi Burkhardt nach Berlin gefahren. Der 17-Jährige hatte die Aufgabe, dem Bundespräsidenten die Arbeit der Mitglieder seines Wahlpflichtkurses zu erläutern. Johannes Rau hörte dem Schüler interessiert zu. „Er hat eine Arbeit mit Bravour gelöst“, ist Wahlpflicht-Lehrerin Eva-Maria Ahlers-Görlach zufrieden. „Maxis Referat war vom Inhalt und Vortrag her sehr überzeugend.“

Gegen Ende des Empfangs erlebten die Braunschweiger hautnah ein Stück weite Welt: Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabaro war zum Staatsbesuch eingetroffen. Ein Hubschrauber der Polizei kreiste über dem Schloss, eine Motorradeskorte der Polizei umschloss die Limousine des Politikers.

Gespannt beobachteten die Braunschweiger den Politiker aus dem „Reich der Mitte“ wenig später bei seinem Eintrag in das Gästebuch des Schlosses. Anschließend wandte sich Wen Jiabaro einem anderen Teil des Prachtbaus im Herzen der Hauptstadt zu.

„Berlin ist wirklich eine Reise wert“, waren sich die Braunschweiger einig. Demnächst wollen die Jugendlichen sich mal auf eigene Faust in der Hauptstadt umsehen.

Braunschweiger Zeitung, 25.05.2004

Du musst eingeloggt sein um diesen Beitrag zu kommentieren.