Style ist geil oder: Wieder mal voll im Trend

Von Harald Duin

Der Wahlpflichtkurs Deutsch Kl. 10 der Realschule Maschstraße ist unter den Preisträgern eines Schülerwettbewerbs der Bundeszentrale für politische Bildung.

Die 20 Schülerinnen und Schüler setzten sich mit ihrem Beitrag zum Thema „Style ist geil oder Wie wichtig sind Trends?“ gegen eine riesige Konkurrenz durch. Über 60 000 Jugendliche der 5. bis 11. Jahrgangsstufen beteiligten sich an diesem Schülerwettbewerb 2005. Sage und schreibe 2494 im Team erarbeitete Beiträge waren zu bewerten. Bundespräsident Horst Köhler hatte die Schirmherrschaft übernommen.

Neben „Style ist geil“ standen folgende Themen zur Auswahl: „Was gibt es Schöneres auf Erden, als Politiker zu werden?“, „Expedition nach Afrika“, „Wie weit ist die deutsche Einheit?“, „Ein Spiel – viele Welten: Fußball“ und „Politik aktuell“. Die Schülerinnen und Schüler des Wahlleistungskurses erhielten als Preis je eine so genannte „Edutainment-CD-Rom“.

Entscheidend für die Wahl des Themas „Style ist geil“ war wohl, dass die Schülerinnen und Schüler sich mit ihrer eigenen Lebenswirklichkeit auseinander setzen konnten. Christian vom Wahlpflichtkurs begründete, warum es für viele so wichtig ist, im Trend zu liegen: „Sie wollen dazugehören, sie wollen nicht ausgeschlossen und nicht wegen ihrer Kleidung ausgelacht werden.“ Christian weiter: „Viele werden unbewusst manipuliert. Sie wollen sich nicht eingestehen, dass sie einen Stil nur nachmachen.“

Eine Schülergruppe unternahm es, an der eigenen Realschule zwei komplette Jahrgänge zu befragen und die Ergebnisse auszuwerten. Von den Schülerinnen und Schülern der Klasse 10 wenden 34 Prozent 10 bis 25 Euro monatlich für ihr Äußeres auf. Bei 20 Prozent dieser Altersgruppe liegt der Betrag über 40 Euro. Etliche suchen sich Jobs, um teure Kleidung kaufen zu können.

Die schockierende Erkenntnis: Einige Schülerinnen und Schüler fühlen sich, weil sie im Trend liegen wollen, finanziell überfordert, begehen Diebstähle und bestehlen gar Freunde und Verwandte.

Ein Kapitel im Wettbewerbsbeitrag der Realschüler: „Modetrends contra Gesundheit?“ Heutige Stars wie Christina Aguilera leben der Jugend eine bauchfreie und freizügige Mode vor. „Mädchen, die dies sehen, fühlen sich motiviert, diese Mode auch nachzumachen, egal, wie kurz und knapp sie ist.“

Der Wahlpflichtkurs weist auf die möglichen Folgen dieser bauchfreien und körperbetonten Mode hin: auf Nieren- und Blasenerkrankungen. Die Eltern dieser Mädchen wird freuen, dass längere Sachen langsam wieder im Trend liegen.

Braunschweiger Zeitung, 09.03.2006

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