Mit neuer Elektronik hat die alte Tafel ausgedient

Von Bettina Habermann

Realschule Maschstraße arbeitet seit einem guten halben Jahr mit elektronischen Tafeln – Mehr Qualität im Unterricht

Die grüne Tafel hängt in der Ecke. Sie hat ausgedient und wird im Klassenraum nur noch als Plakatwand genutzt. Aktuell hängt das DIN-A3-Blatt „Gedichten auf der Spur – Lyrik interpretieren“ daran. Die neue, elektronische Tafel im Klassenraum der 10d der Realschule Maschstraße ist weiß, bevor Lars Zimmermann das Programm mit seiner Buchpräsentation hochfährt.

Lars aus der 10c ist zu Gast in der Parallelklasse. Der Zehntklässler hat Max Frischs Drama „Andorra“ gelesen und interpretiert.

Heute stellt er seine Arbeit den Mitschülern der 10d vor. Auf verschiedenen Seiten hat Lars mit Fotos und Grafiken den Lebenslauf des 1991 in Zürich gestorbenen Schriftstellers, die Handlung, die Analyse und die Interpretation des Dramas vorbereitet. Passend zu seinem mündlichen Vortrag wählt er die jeweilige Seite. Dazu reicht die Berührung mit einem Finger auf der weißen Tafel.

 

Im November vergangenen Jahres stattete die Bürgerstiftung Braunschweig die Realschule Maschstraße komplett mit den so genannten Whiteboards aus. Die interaktiven Flächen sind Schreibtafel, Computer, Internetzugang, CD- und DVD-Player in einem. Ulrich E. Deissner, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, sprach seinerzeit von einer Revolution in den Klassenzimmern: Durch den Einsatz der elektronischen Tafeln würde die Medienkompetenz der Schüler verbessert, die Motivation von Schülern und Lehrern gesteigert, das Internet in den Unterricht einbezogen und der Lehrstoff verständlicher vermittelt.Kaum Unmutsäußerungen aus dem Lehrer-Kollegium

Ein gutes halbes Jahr danach wollen wir wissen, ob und wie sich der Unterricht verändert hat, wie die Akzeptanz der Whiteboards ist und ob jemand der Kreidezeit mit den alten grünen Tafeln nachtrauert.

„Schüler bearbeiten Themen am Computer intensiver“

„Für die meisten Kollegen sind die Whiteboards schon eine Selbstverständlichkeit“, sagt Schulleiter Andreas Hantelmann. In den Pausen höre er wenig Proteste und Unmutsäußerungen. „Die elektronischen Tafeln werden immer stärker akzeptiert – auch durch die intensiven Schulungen, die stattfinden.“

Die Einführung der Whiteboards bedeute für Schüler wie Lehrer eine Umgewöhnungsphase, so Ulrike Schröter. „Der Unterricht hat sich verändert wie auch die Vorbereitung. Sie ist durch die Einbeziehung vieler aktueller Meldungen aus dem Internet zunächst auch aufwendiger“, erklärt die Deutschlehrerin der 10d. Schröter hat aber auch festgestellt: „Die Qualität der Schüler-Referate ist besser geworden. Die Schüler setzen sich bei der Arbeit am Computer intensiver mit dem jeweiligen Thema auseinander.“

Das setze aber Zeit und Arbeitseinsatz voraus, ergänzt Eva-Maria Ahlers-Görlach. Die Lehrerin lobt die Ausstattung aller Schulräume mit den neuen Tafeln – „so fällt die Akzeptanz insgesamt leichter“.

Und was sagen die Schüler? Nach Lars‘ Andorra-Präsentation loben sie seine übersichtliche Darstellung der Handlung und ihrer Charaktere. „Das Tafelbild war jeweils gut gestaltet, und dazu hat Lars sehr gut berichtet“, heißt es.

Christina findet es in anderen Unterrichtsstunden gut, dass kleine Filme eingespielt werden können. Dominik gefällt, das mehrere Seiten gleichzeitig geöffnet werden können und nichts weggewischt werden muss. Und Dominik meint, Mathe sei jetzt einfacher zu verstehen – dank der speziellen Mathe-Programme.

Bei technischen Problemen – wenn zum Beispiel ein Schaubild aus dem Computer nicht gleich auf der Tafel landet – hilft Lehrern und Schülern der Realschule Maschstraße an drei Tagen in der Woche ein Informatikstudent der TU. Sein Honorar trägt ebenfalls die Bürgerstiftung. „Wir werden die interaktive Schule drei Jahre lang begleiten, denn wir wollen sehen und nachweisen, dass die Technik funktioniert“, betont Ulrich Deissner.

Wissenschaftlich setzt sich Daniela Günther mit dem Einsatz der Whiteboards auseinander. Er ist Thema ihrer Masterarbeit im Studiengang Organisationskulturen und Wissenstransfer an der TU Braunschweig.

Foto: Rudolf Flentje

Braunschweiger Zeitung, 12.06.2008

Du musst eingeloggt sein um diesen Beitrag zu kommentieren.