Psychologischer Berater hat viel zu tun

Rektor der Realschule Maschstraße fordert Gleichbehandlung mit Hauptschulen – Zurzeit zahlt der Elternverein

Seit August 2009 arbeitet Werner Mentzel als psychologischer Berater an der Realschule Maschstraße. Rektor Andreas Hantelmann nennt seinen Einsatz gewinnbringend – für Schüler wie für Lehrer und Eltern. Doch mittelfristig muss die Finanzierung neu geregelt werden.

Nach Erlass des Kultusministeriums ist die Beschäftigung von sozialpädagogischen Kräften und schulpsychologischen Beratern bislang nämlich nur an Hauptschulen vorgesehen. Deshalb kassierte Hantelmann auch eine Absage der Landesschulbehörde. Werner Mentzel wird dennoch beschäftigt und mit Mitteln des Schulvereins bezahlt.

Laut Hantelmann muss aber eine andere Lösung her. „Es ist nicht einzusehen, dass wir, wenn wir 30 bis 40 Prozent hauptschulempfohlene Kindern in Klasse 5 haben, nicht wie Hauptschulen ausgestattet werden.“

Der Rektor spricht von Bedrohungssituationen, Diebstählen, Schlägereien, Unterrichtsstörungen – kein Problem allein der Realschule Maschstraße, sondern aller Realschulen in Braunschweig. Und: „Die Problematik ist seit Jahren bekannt.“Nach einem Praktikum Mentzels hatte sich das Kollegium der Realschule Maschstraße positiv geäußert, seinen Einsatz als entlastend gewertet. Ein Grund: Allein können die Lehrer die Vielzahl verhaltensauffälliger Kinder nicht mehr bewältigen. Hinzu kämen, so Andreas Hantelmann, Probleme durch eine Vielzahl Kinder mit Migrationshintergrund und jene mit Hauptschulempfehlung. „Eltern sind zum Teil mit ihrem Erziehungsauftrag überfordert. Schule soll das auffangen, kann es aber nicht.“

Werner Mentzel erzählt zwei Beispiele aus seiner Arbeit. Eine berufstätige Akademikerin, deren Partnerschaft gestört ist, hat den Bezug zu ihrem Kind verloren. Das reagiert seit geraumer Zeit mit Leistungseinbruch beziehungsweise Leistungsverweigerung. In einem Gespräch hat Mentzel mit der Familie einen Leitfaden erarbeitet, in dem Regeln und Normen aufgestellt wurden. „Die Wahrnehmung innerhalb der Familie muss gestärkt werden.“ Einem ersten helfenden folgten anhaltend begleitende Gespräche, „damit langfristig Verbesserungen erzielt werden“.

Typisch ist auch das zweite Beispiel. Eine Schülerin aus einer oberen Klasse zeigt deutlich unsoziales Verhalten, provoziert Lehrer mit verbalen Attacken, kommentiert Anweisungen, stellt sie in Frage, zeigt sich respektlos und uneinsichtig. In diesem Fall hat Werner Mentzel das normabweichende Verhalten innerhalb der Klasse beobachtet, ein helfendes Gespräch mit der Schülerin, ihren Erziehungsberechtigten und den Lehrern geführt sowie einen Rahmen zur Begleitung für die Schülerin abgesteckt. „Mit solch einem Fall sind Lehrer komplett überfordert, da Lösungsmöglichkeiten nicht zu ihrer Ausbildung gehören“, unterstreicht Werner Mentzel.

Viele Schüler kommen aber auch selbstständig zu ihm. Pubertäre Probleme, der erste Freund, die erste Freundin, Probleme zu Hause oder Kontakt mit Alkohol und Drogen – die Anlässe sind sehr unterschiedlich. „Mit einer Vollzeitstelle hätte Herr Mentzel immer genügend zu tun“, betont Rektor Hantelmann. Nur wer das bezahlen soll, ist offen.

Braunschweiger Zeitung, 15.03.2010

 

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