„Da gibt es wirklich noch Erfolge“

Von Karsten Mentasti

Vier Lehrer betreuen seit vielen Jahren Schüler bei Jugend forscht und suchen dringend Nachfolger

Schüler experimentieren und Jugend forscht sind die bekanntesten Wettbewerbe für Schüler auf naturwissenschaftlichem Gebiet. Jahr für Jahr gibt es überproportional viele Landessieger aus Braunschweig – das weckt Begehrlichkeiten. Aber: Einige der Stützen des Wettbewerbs gehen jetzt in den Ruhestand.

Haben Spaß an Naturwissenschaften und der Arbeit mit Schülern, gehen aber bald in den Ruhestand: die Betreuungslehrer Ulrich Gebauer (links) sowie (von rechts) Hans Lauerer, Hans-Rainer Porth und Harrybert Kurz mit Jugend-forscht-Wettbewerbsleiter Andreas Boelter (Zweiter von links).

Seit der Wettbewerb für dieses Jahr abgeschlossen ist, die Regional-, Landes- und Bundessieger gekürt wurden (wir berichteten), da sitzen Schüler und Betreuungslehrer schon wieder in den Startlöchern für 2011. Die heiße Phase beginnt im August, nach den Sommerferien.

„Bei den Wettbewerben werden bei der Siegerehrung die Schüler prämiert und die Schulen erwähnt, aber die Betreuungslehrer bleiben im Hintergrund“, weiß Regional-Wettbewerbsleiter Andreas Boelter. „Dabei ist ihr Beitrag zum Gelingen der Forschungsarbeiten enorm.“

Aus diesem Grund wurden diesmal kurz vor dem Braunschweiger Regionalwettbewerb erstmals verdiente Betreuungslehrer mit einer silbernen Nadel ausgezeichnet.

Das ist zwar eine schöne Geste, zweifelhaft ist aber, ob das Ansporn genug sein kann für andere Lehrer, in die Fußstapfen der kurz vor der Rente stehenden altgedienten Kollegen zu treten. „Das Interesse der Schüler und ihr Durchhaltevermögen hängt wesentlich davon ab, welchen Draht sie zu ihrem Betreuungslehrer haben“, ist Chemie- und Biologielehrer Hans Lauerer (58) vom Gymnasium Kleine Burg überzeugt.

Die vier Lehrer, die in Braunschweig schon am längsten als Betreuungslehrer die Schüler bei den Forscheraktivitäten beraten und begleiten, trafen sich jetzt mit Wettbewerbsleiter Andreas Boelter vom Gymnasium Martino Katharineum, um darüber zu beraten, wie jüngeren Kollegen der Einstieg schmackhaft und leichter gemacht werden kann.

Hans-Rainer Porth (64) vom Gymnasium Hoffmann-von-Fallersleben, Harrybert Kurz (61) vom Wilhelm- Gymnasium und Ulrich Gebauer von der Realschule Maschstraße gehen mit Ende des Schuljahres in den Ruhestand. Lauerer beendet in anderthalb Jahren seine Lehrerkarriere.

Alle haben entweder schon zugestimmt oder überlegen noch, anschließend ehrenamtlich weiterhin Schüler zu betreuen. „Doch das kann eigentlich nur so sein, dass wir unsere Nachfolger unterstützen, ihnen zum Beispiel einige Arbeit abnehmen, etwa die Schüler beim Forschen zu Hause besuchen“, beschreibt Porth.

Hans Lauerer wurde einst in der Jugend-forscht-Jury berufen. „Da hat es mich gleich erwischt“, berichtet der Kleine-Burg-Lehrer. „Gleich im nächsten Jahr habe ich parallel zur Jurorentätigkeit Jugendliche aus meiner Schule betreut und zum Wettbewerb geführt.“ Später hat er sich dann ganz auf seine Tätigkeit als Betreuungslehrer konzentriert.

Der unbezahlte Aufwand ist nicht unerheblich. Lauerer betreut an seiner Schule stets mehrere Gruppen oder Einzelteilnehmer: „Im Durchschnitt investiere ich pro Woche zwölf Stunden in diese Tätigkeit.“ Von der Schulleitung wird ihm dafür eine Stunde angerechnet, die er weniger unterrichten muss.

„Die Tätigkeit als Betreuungslehrer ist für mich ein Hobby“, erklärt Harrybert Kurz, und die Kollegen nicken zustimmend.

Mehrfach werden die forschenden Schüler zwischen August und Januar zu Hause besucht, wo manche Langzeitversuche stattfinden oder aber zumindest die Facharbeiten geschrieben werden. „Zu jedem Wettbewerbsbeitrag gehört ja nicht nur die Themen-Präsentation vor der Jury, sondern auch eine 15-seitige Forschungs-Beschreibung“, berichtet Kurz.

Die engagierten Pädagogen empfinden ihre freiwillige Tätigkeit durchweg viel mehr als Freude denn als Belastung. Ulrich Gebauer, einer der wenigen Betreuungslehrer an Realschulen, bezieht eindeutig Stellung: Die Arbeit mit Schülern, die gern gefordert werden und neugierig sind, „ist das, was man sich unter Schule vorstellt. Da gibt es wirklich noch Erfolge“, sagt er.

Auch für die Lehrer sind viele der Wettbewerbsbeiträge, für die sich Schüler entscheiden, eine Herausforderung. Kurz: „Man muss sich ständig in neue Themen einarbeiten. Da kann man den vorgeschriebenen Lehrstoff einmal verlassen.“

Hans-Rainer Porth kann verstehen, wenn junge Lehrer sich nicht gleich als Betreuungslehrer einbringen. „Sie müssen heutzutage mehr unterrichten als früher, und viele haben kleine Kinder zuhause und daher wenig Zeit.“ Er glaubt, dass „Kollegen im mittleren Lehreralter“ aber bestens geeignet seien, die Herausforderung anzunehmen.

Harrybert Kurz bestätigt: „Sie haben schon einige Unterrichtsroutine und können in der Beschäftigung mit den interessierten Schülern vielleicht eine neue Motivation finden.“ Und Ulrich Gebauer stellt klar: „Ich sehe die Arbeit mit Jungforschern nicht als Belastung. Sie hat mich auch immer selber weiter gebracht und macht mir Spaß.“

Und zwar auch, wenn die Lehrer beobachten, dass Schüler als Folge ihrer Forscherarbeit plötzlich einen Sprung in ihrer Entwicklung machen. „Man kann miterleben, wie die Schüler an ihrem Projekt wachsen“, berichtet Kurz. Nicht zuletzt für Bewerbungen macht sich eine Teilnahme bei Jugend forscht oder vielleicht sogar ein Regional- oder Landessieg besonders gut.

Wettbewerbsleiter Andreas Boelter vom Martino-Katharineum steht Interessenten zu den Aufgaben eines Betreuungslehrers bei Jugend forscht gern Rede und Antwort.

Braunschweiger Zeitung, 22.06.2010

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