„Diese Zeit sollte man nie vergessen“

Von Alexandra Jane Oliver

Realschüler aus Braunschweig belegen beim Jugendwettbewerb „DenkT@g“ den 3. Platz

Ihr Beitrag erinnert an die Arisierung jüdischer Geschäfte. Beim Jugendwettbewerb „DenkT@g“ zeichnete Bundestagspräsident Norbert Lammert 16 Schüler der Realschule Maschstraße für ihr Projekt mit dem dritten Preis aus.

„Man kann das Thema Nationalsozialismus nicht einfach unterschlagen“, sagt die Zehntklässlerin Alena. „Es gehört zu unserer Stadtgeschichte“, pflichtet ihr Nora bei. Beide sind Schülerinnen an der Realschule Maschstraße und nehmen am Wahlpflichtkurs Deutsch teil. Zu Beginn des Schuljahres setzten sie sich intensiv mit dem Thema Nationalsozialismus auseinander.

„Den Themenvorschlag haben wir vom Projekt Stolpersteine für Braunschweig bekommen“, erklärt die Lehrerin des Wahlpflichtkurses, Eva-Maria Ahlers-Görlach. Zusammen erstellten die Schüler eine Website, auf der es vieles zum Werdegang zweier Bekleidungsfirmen, und den Familien-Biografien der Geschäftleiter zu lesen gibt.Hintergrund war ein Jugendwettbewerb der Konrad Adenauer Stiftung. „DenkT@g“ steht in Bezug zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, am 27. Januar. Die Beiträge befassten sich deshalb unter anderem mit den Themen Holocaust, Fremdenfeindlichkeit und Nationalsozialismus. Die Realschüler tauften ihr Projekt: „Hamburger und Littauer – Die Arisierung der Firma Hamburger & Littauer“. Es erinnerte an das Schicksal jüdischer Geschäftsleute in Braunschweig. Sie konzentrierten sich dabei auf den Bekleidungshersteller „Hamburger & Littauer“, der 1888 gegründet und nach dem April-Boykott 1933 arisiert wurde. Die Firma wurde unter dem Namen „Rosbach & Risse“ bis Ende der 1980er Jahre weitergeführt.

Jeder hatte andere Aufgaben. Pascal war für die Aufarbeitung der einzelnen Biographien zuständig: „Wir haben mit einem Buch von Reinhard Bein gearbeitet und viel im Stadtarchiv recherchiert.“ Am Projekt haben ihn diese Schicksale am meisten interessiert. Er erklärt: „Die Geschichte von Flora Littauer hat mich sehr berührt. Sie ist an Krebs erkrankt und wurde vom Klinikum wegen ihrer jüdischen Wurzeln einfach ohne Behandlung entlassen.“ Zum Wettbewerb als solchen sagte er: „Ich würde so etwas gerne wieder machen. Das Thema fand ich spannend.“

Auch Nadine war stolz auf ihre gemeinsame Leistung: „Wir waren die einzige Realschule, die am Wettbewerb teilgenommen hat. Dass wir so weit vorne platziert waren, ist toll.“ Für den dritten Platz bekamen die Schüler neben einer Urkunde und einigen Sachpreisen, auch ein Preisgeld von 1000 Euro.

„Was wir mit dem Geld machen, wissen wir noch nicht. Das werden wir in den kommenden Schulstunden besprechen“, sagt Eva-Maria Ahles-Görlach mit einem Lächeln. Sie war vom Engagement ihrer Schüler begeistert. Diese hätten sehr hartnäckig recherchiert und sich teilweise auch in den Ferien getroffen, um ihre Texte zu optimieren.

Braunschweiger Zeitung, 08.02.2011

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