Rezension „Verrücktes Blut“

Am Mittwochabend, dem 04.01.2012, besuchten wir, der WPK Deutsch Klasse 10, das Theaterstück „Verrücktes Blut“ im Kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig.

 Mir persönlich hat das Theaterstück gut gefallen, da das Verhalten von Teilen der heutigen Gesellschaft dort widergespiegelt wird, zum einen die Problematik der Integration von ausländischen Mitbürgern in der Bundesrepublik Deutschland und zum anderen Mobbing an schwächeren Mitschülern.

Zudem war meiner Meinung nach das Stück recht anschaulich für die Zuschauer gestaltet. Anfangs herrschte im Saal noch eine positive Stimmung und es wurde an einigen Stellen gelacht. Als jedoch der Ernst der Lage sichtbar wurde und die Lehrerin die Waffe ergriff, herrschte Totenstille im Saal. Kurz darauf fiel der erste Schuss der Lehrerin, bei dem man das Entsetzen des Publikums spüren konnte, zumal der Schüler Musa schreiend und blutend zu Boden ging.

Da wäre ich schon beim nächsten Punkt. Besonders erwähnenswert finde ich die schauspielerische Leistung des Musa. Musa ist ein Angst einflößender Typ mit dauerhaft finsterem Blick, vor dem jeder Schüler des Stückes Angst hat, sodass diese tun, was Musa sagt.

Als jedoch der Lichtwechsel kommt und der Darsteller des Musa Infokarten mit Fakten über die Integration von Ausländern in der Bundesrepublik vorliest, hatte ich das Gefühl, eine ganz andere Person zu sehen. Dabei veränderten sich seine Mimik, Gestik und die Stimme gewaltig ins Positive, sodass eine Verbindung dieser zwei Charaktere kaum sichtbar war.

Auch erwähnenswert ist selbstverständlich die Leistung der Lehrerin, Frau Kelich. Ihre Stimmungsschwankungen, ihre Reaktionen auf die Schüler und ihre Rolle mit unheimlich viel zu sprechendem Text ist eine große Herausforderung, wobei ich finde, dass die Schauspielerin diese gut gemeistert hat.

Schade fand ich allerdings, dass einige Situationen nicht ganz nachzuvollziehen waren. In einer bestimmten Situation des Stücks nahm sich jeder Schauspieler einen Stuhl, alle sangen zusammen ein Lied und am Ende des Liedes warf jeder seinen Stuhl über den Kopf hinter sich.

Besondere Aussagekraft hat meiner Meinung nach die Schlussstelle, in der „We are the World“ gesungen wird, um wohl eine scheinheilig perfekte Gemeinschaft darzustellen. Hasan jedoch, der Außenseiter, der zudem von seinem Mitschüler Musa missbraucht wurde, fasst sich ein Herz und spricht aus, wie es wirklich zugeht aus der Sicht eines Außenseiters in unserer Gesellschaft. Vieles wird schön geredet, aber hinter diesen Worten verbergen sich immer noch zu viele Missstände. Die Schwächeren bzw. die Außenseiter unserer Gesellschaft werden ausgenutzt oder werden einfach aus Spaß sowohl psychisch als auch physisch verletzt.

Ich würde dieses Theaterstück auf jeden Fall anderen Klassen, Jugendlichen und Schülern weiterempfehlen, da ich in diesem Stück eine ernste Aussage sehe, welche in der heutigen Zeit die Rangordnung in einer multikulturellen Klasse widerspiegeln könnte.

Text: Felix Kühlborn, Kl. 10a, Schuljahr 2011/2012

Du musst eingeloggt sein um diesen Beitrag zu kommentieren.