Die Braunschweiger Tafel

Braunschweiger TafelAls wir, die SchülerInnen des Wahlpflichtkurses Deutsch, die Braunschweiger Tafel besuchten, standen schon etliche Menschen vor der Tür und warteten auf Einlass. Um 10:45 Uhr werden aus einem Topf Wartenummern (1-99) gezogen, die die Reihenfolge der Ausgabe der Lebensmittel bestimmen. Herr Alfred Huge, ehrenamtlicher Geschäftsführer, begrüßte uns freundlich und stand uns Rede und Antwort. Auf die Frage, warum er sich in dieser Einrichtung betätigt, sagte Herr Huge, dass er mit vier Jahren seine Eltern verloren hat und dass er Menschen helfen möchte, weil er selbst Hilfe erfahren hat.

Seit 1996 befindet sich die Braunschweiger Tafel in der Goslarschen Straße. Sie hat 112 Mitarbeiter, welche hoch motiviert sind. Der Altersdurchschnitt liegt bei 69 Jahren. Mit einem Augenzwinkern betonte Herr Huge, dass man als Mitarbeiter kein Fitnessstudio brauche, da eine Kiste mit Lebensmitteln 10 bis 30 Kilogramm wiegt.

Die Tafel wird regelmäßig von ca. 60 Läden beliefert, so stellen zum Beispiel Rewe, Lidl und Edeka Lebensmittel zur Verfügung. Ihr Sortiment ändere sich stündlich, so Huge. Zusätzlich betonte er, dass die Tafel keine Müllabfuhr sei und sogar Lieferanten ablehne. Die Berechtigung, Lebensmittel von der Tafel zu bekommen, besitzen in Braunschweig 1700 Haushalte, die vorher ihre Finanzen in der Sozialberatung offenlegen müssen. Erlangt man die Berechtigung, bekommt man eine Karte mit 48 Feldern, auf der bei jedem Besuch ein Feld abgestrichen wird. Nach 48 Besuchen ist die Karte ungültig und muss neu bei der Sozialberatung beantragt werden.

Als uns Herr Huge die Räumlichkeiten der Tafel zeigte, lernten wir Rainer kennen, der die Backwaren kontrolliert, bevor sie ausgegeben werden. Dieser Herr war sehr freundlich, denn jeder durfte sich etwas aus der Backwarenkiste nehmen und probieren. Jedoch hatten einige dabei ein schlechtes Gewissen, da sie das Gefühl hatten, dass sie den Hilfsbedürftigen das Essen wegnehmen würden. Man beruhigte uns, dass sie sowieso zu viel von den angebotenen Esswaren hätten. Nun nahmen viele unserer Mitschüler die Esswaren an. Dadurch konnten wir uns auch vergewissern, dass die Lebensmittel wirklich gut waren. Dies hätte keiner gedacht.

Herr Huge betonte, dass die Bedürftigen keinen Rechtsanspruch haben und Selbstbedienung verboten ist. Wenn die Tafel an einem Tag viele Spenden erhält, können die Mitarbeiter auch viel an die Hilfsbedürftigen abgeben. Darüber hinaus berichtete Herr Huge positiv über die Kommunikation, die zwischen den Notleidenden und den Mitarbeitern herrscht. Allerdings gibt es bei einigen Bedürftigen noch eine Hemmschwelle, die Braunschweiger Tafel aufzusuchen.

Ich persönlich bin sehr beeindruckt von der Leistung der Mitarbeiter. Natürlich kann ich auch die Bedürftigen verstehen, die Hemmungen haben, dieses Angebot zu nutzen. Jedoch möchte ich jeden Bedürftigen ermutigen, sich in dieser Einrichtung Lebensmittel zu holen. Denn meiner Meinung nach lohnt es sich, dort hinzugehen.

Text: Felix Kühlborn, Kl. 10a, Schulj. 2011/2012

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