Rezension „Der Besuch der alten Dame“

Das Theaterstück „Der Besuch der alten Dame“ basiert auf der tragischen Komödie von Friedrich Dürrenmatt, die 1980 in einer Neufassung erschien. In dem Stück geht es um die Milliardärin Claire Zachanassian, die nach mehr als 40 Jahren Abwesenheit in ihren Heimatort Güllen zurückkehrt. Dort wird sie, obwohl sie als Prostituierte beschimpft wurde, freudig empfangen, da man auf ihre Hilfe hofft. Sie verspricht den Einwohnern des Ortes eine Milliarde unter der Bedingung, dass Alfred Ill, der Mann, der sie einst schwängerte, getötet wird.

Claire, der vor Jahrzehnten Unrecht getan wurde, kehrt zurück, um Rache zu üben. Sie fordert den Tod von Ill, der in einem Prozess die Vaterschaft leugnete, Zeugen bestach und sie als Lügnerin darstellte. Sie musste Güllen verlassen und arbeitete als Prostituierte. Durch ihren ersten Ehemann kam sie zu Geld. Jetzt kehrt sie zurück und fordert „Gerechtigkeit“. Sie kann die Güllener zu dieser grauenhaften Tat zwingen, da sie die Stadt in den Ruin trieb und die Güllener ihr Geld brauchen. Das Stück lehrt einen, dass die Vergangenheit nicht vergessen wird und Taten nicht ungestraft bleiben.

Das Bühnenbild insgesamt ist interessant gestaltet. Die Wände und der Boden sind mit schwarzer Folie beklebt, die im Verlauf des Stücks abgenommen wird. Darunter kommt weiße Fingerfarbe zum Vorschein, die den Schauspielern das Spielen erschwert und die im Verlauf der Handlung abgewaschen wird.

Das wackelige Auftreten der Güllener soll ihre Unentschlossenheit symbolisieren, ob sie bereit sein werden, einen Mord zu begehen. Unklar ist auch, ob sie die Milliarde, die von der Protagonistin in Aussicht gestellt wird, tatsächlich erhalten werden. Das Bühnenbild spiegelt den sozialen Stand des Ortes wider. Die schwarze Folie anfangs stellt die ärmlichen Verhältnisse des Städtchens dar. Im Lauf des Stückes steigt der Wohlstand, was in der Veränderung des Bühnenbildes deutlich wird. Die Bühne, die zu Anfang trist und fade wirkt, entwickelt sich zum Ende in eine wunderbare Herbstlandschaft.

Handlungswirksame Personen, die in Dürrenmatts Text von Bedeutung sind, werden in der Braunschweiger Inszenierung ausgelassen. Hier sind zum Beispiel die Kinder Ills und der Butler zu nennen. Die Kinder machen Ill und seine Frau zu einer Familie. Der Butler ist in der Vorgeschichte der Richter, der in dem Vaterschaftsprozess das Fehlurteil fällt. Die Eingangsszene am Bahnhof wirkt nicht ganz gelungen, da weder Kulisse noch Geräusch auf einen Bahnhof hindeuten und auch die Ankunft von Claire Zachanassian in den Hintergrund gerät.

Positiv fällt auf, dass einige Szenen sehr gut gespielt werden und man sich in die Situation hineinversetzen kann. Dies gilt zum Beispiel für die Szene im Laden. Dort bemerkt Ill, wie seine Mitmenschen, die immer zu ihm gehalten haben, sich von ihm abwenden. Außerdem fällt ihm auf, dass alle Leute gelbe Schuhe tragen und sich teurere Dinge leisten, da sie auf seinen Tod hoffen.

Die schauspielerische Leistung ist insgesamt wechselhaft. An einigen Stellen wirkt der Text auswendig gelernt, an anderen erscheint das Stück sehr überzeugend. Die meisten Schauspieler zeigen gute Leistungen, sind jedoch nicht so sehr beansprucht. Dies trifft z.B. auf die beiden Schauspieler von Koby und Loby zu, die im Stück blind und kastriert sind. Sie müssen dem Zuschauer vermitteln, dass sie hilflos sind.

Aber auch der Darsteller des Panthers hat seine Rolle gut gemeistert, weil er zwei Personen darstellt. Zum einen ist er der Panther der Frau Zachanassian, zum anderen ist er der Reporter. Der Darsteller des Ill verkörpert seine Rolle auch sehr gut. Er muss einen Menschen spielen, der zunehmend Angst vor seinen Mitmenschen bekommt. Auch zeigt er paranoides Verhalten, wenn er sich von jedem angegriffen fühlt. Die Protagonistin tut sich auch sehr hervor, da sie sowohl eine kaltblütige als auch eine liebende und verletzte Frau spielen muss.

Text: Sabrina Flögel, 10c, Schulj. 2012/13

 

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