Konfliktlotsen-AG – Interview mit Frau Bothe

Vor Ihnen hat Herr Herden die Konfliktlotsen AG geleitet. Wie kam es dazu, dass Sie die AG übernommen haben?

Frau Bothe: Es war schon lange geplant, dass Herr Herden die AG abgibt. Er hat eine Lehrkraft gesucht, der er die AG anvertrauen kann. Zu Herrn Herdens Zeiten löste sich die Gruppe immer mehr auf. Sie bestand fast nur noch aus 10.Klässlern, die aber nicht mehr so viel Zeit aufbringen konnten, da sie sich auf ihre Abschlussarbeiten konzentrieren mussten.

Weil ich Beratungslehrerin bin und davor als Diplomlehrerin in einer Therapieberatung tätig war, gründete ich parallel dazu eine weitere Gruppe. Diese bestand hauptsächlich aus 6.Klässlern. Dadurch konnten jüngere Schüler mit Hilfe der verbliebenen 10.Klässler gut in die AG eingeführt werden.

Haben Sie etwas von Ihrem Vorgänger mitgenommen oder handeln Sie nach Ihrem ganz eigenen Konzept?

Frau Bothe: Natürlich habe ich einiges von Herrn Herden übernommen, so zum Beispiel die Handhabung des Dienstplans. Allerdings führe ich nicht mit den SchülerInnen eine dreitägige Kursfahrt durch, auf der sie zum Konfliktlotsen ausgebildet werden. Ich verteile diese Ausbildungsstunden auf mehrere Tage im Jahr. Die eigentliche Ausbildung orientiert sich an Standards und ist nicht individuell zu gestalten.

Wie lange sind Sie jetzt schon bei den Konfliktlotsen dabei und haben Sie sich die Arbeit so vorgestellt?

Frau Bothe: Ich habe im April vor zwei Jahren bei den Konfliktlotsen angefangen. Die Übernahme hat insgesamt gut geklappt, aber ich hätte mir ehrlich gesagt etwas mehr Hilfe von den damaligen 10.Klässlern gewünscht. Dafür hätten wir aber wahrscheinlich auf Grund der bevorstehenden Abschlussarbeiten früher mit der Gründung der zweiten Gruppe anfangen müssen.

Wie lange gibt es das Projekt schon und wer ergriff die Initiative, es zu gründen?

Frau Bothe: Ich bin vor ungefähr acht Jahren an diese Schule gekommen und da gab es das Projekt schon länger. Daher weiß ich leider nicht, wer die Initiative ergriff.

Wie viele Schüler gehören zurzeit zu dem Team?

Frau Bothe: Momentan umfasst die AG ca. 16 SchülerInnen. Die ältesten kommen aus den 9. Klassen, aber auch jüngere aus den 6. Klassen sind vertreten. Die meisten finden sich im Jahrgang 8 wieder.

Wo und wann treffen sich alle Mitglieder?

Frau Bothe: Alle kommen einmal wöchentlich für etwa zwei Stunden zusammen. Dieses Treffen findet immer Donnerstag in der siebten und achten Stunde in meinem Klassenraum (105) statt. Eigentlich ist der Konfliktlotsenraum dafür vorgesehen, aber er ist für diese Anzahl von SchülerInnen leider zu klein.

Was wird in dieser Zeit besprochen oder gemacht?

Frau Bothe: Jeder stellt erst einmal seinen derzeitigen Fall vor und zusammen wird dann geschaut, wie man mit diesen Fällen umgehen könnte. Dabei werden Erfahrungen und Lösungsvorschläge ausgetauscht. Die Schüler lernen, wie man Gespräche führt. Auch muss ihnen klar sein, dass sie keine Partei ergreifen dürfen. Außerdem lernt jeder viel über sich selbst. Es wird das Selbstbewusstsein gestärkt.

Wird das Angebot der Konfliktlotsen von den Schülern genutzt?

Frau Bothe: Das fällt ganz unterschiedlich aus. Am Anfang des Schuljahres bekommen wir mehr Anfragen als zum Ende hin. Das liegt zum Beispiel daran, dass sich die neuen fünften Klassen erst kennenlernen und aneinander gewöhnen müssen. Es kommen mehr jüngere Schüler, wenn eher Leute aus den höheren Klassen in der AG tätig sind. Dann sind die Konfliktlotsen vollkommen akzeptiert.

Wurden Probleme anderer Schüler schon erfolgreich von den Konfliktlotsen gelöst und sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Frau Bothe: Ja, wir haben schon viele Fälle gelöst oder an ihnen mitgewirkt. Wenn die Betroffenen einverstanden sind, werden manchmal die Klassenlehrer vertraulich mit einbezogen. Einige Schüler, die nicht aus eigener Initiative zu uns kommen, werden von den Lehrern geschickt. Allerdings kann man auch nicht immer allen Schülern unbedingt helfen. Wir können nur denen helfen, die Hilfe wollen!

Vielen Dank für das Gespräch!

Chiara Donig, Elyane Listing, Kl. 10b, Schulj. 2012/13
Bild: Eva-Maria Ahlers-Görlach

 

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