„Kampf des Negers und der Hunde“

Szene aus "Kampf des Negers und der Hunde"

Szene aus „Kampf des Negers und der Hunde“

Das Theaterstück „Kampf des Negers und der Hunde“ von Bernard-Marie Koltés, das am 23.05.2013 in Braunschweig Premiere hatte, spielt auf einer französischen Baustelle in Westafrika, auf der ein schwarzer Arbeiter von dem weißen Ingenieur Cal getötet wird. Alboury, der Bruder des Ermordeten, kommt des Nachts auf die Baustelle und fordert die Leiche seines Bruders, damit die Familie sie bestatten kann. Horn will die Leiche nicht herausgeben. Er ist viel mehr an der jungen Französin Léone interessiert, mit der er nach Europa zurückkehren möchte. Doch Léone verliebt sich in Alboury, denn sie sieht in ihm etwas Aufregendes und Fremdes.

Das Bühnenbild ist simpel, aber sehr wirkungsvoll gestaltet. Einige Plastikfolien hängen von der Decke herab. Sie werden als Bäume benutzt, hinter denen sich Alboury verstecken kann. Durch das versetzt angeordnete „Baumlabyrinth“ sieht man ihn manchmal im Hintergrund hin und her schleichen, was einem das Gefühl seiner ständigen, bedrohlich wirkenden Präsenz gibt. Im Hintergrund steht ein hoch- und herunterfahrbarer Hubwagen, der auch später als defekter Stromgenerator fungiert.

Zu Beginn des Stücks kommt er zum Einsatz, als Horn ihn herunterfährt und lauthals sagt, er habe Alboury gesehen, der hinter einem Baum steht und darauf wartet, dass er die Leiche seines Bruders mitnehmen kann. Schon am Anfang bemerkt man, dass er starrköpfig an seinem Willen festhält und nicht eher gehen will, bevor er die Leiche bekommt. So sagt er später: „Kleine Leute wollen manchmal kleine Sachen, und selbst wenn sie tot sind, bereuen sie keine Sekunde und wollen immer noch diese eine kleine Sache.“

Eine bemerkenswerte Szene ist, als Leonè Alboury bei einer Umarmung einen weißen Strich auf die Wange malt. Dies hat mir sehr gut gefallen, weil man merkt, dass man sich durch Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Lebensarten näher kommt und besser miteinander umgehen kann. Alboury wird im Prinzip weißer – er lässt eine erste Annäherung an eine weiße Person zu.

Die meiner Meinung nach beste Stelle im ganzen Stück ist ein Gespräch zwischen Horn und Albouri. Horn ist mittlerweile sehr verzweifelt und versucht erneut, sich mit ihm anzufreunden. Doch letztendlich schreit er ihn nur an und sagt, dass es ganz egal ist, was er machen würde, Albouri würde immer nur den Weißen, den Baustellenleiter in ihm sehen. Somit hat sich der Rassismus umgekehrt, was ich im Voraus nicht erwartet hätte, da Alboury Vorurteile gegenüber „den“ Weißen hat.

Die Kostüme fallen schlicht aus, nur Cal tut sich hervor. Nach seinem Tauchgang in der Latrine ist er voller Exkremente, und des Öfteren zeigt er einen entblößten Oberkörper.

Requisiten gibt es wenige, aber das empfinde ich als positiv, da man so mehr Aufmerksamkeit auf die Charaktere und die Dialoge richtet, die das Herzstück dieser Aufführung sind.

Die schauspielerische Leistung ist sehr beeindruckend, da jeder seine Rolle sehr gut ausfüllt. Das äußere Erscheinungsbild passt perfekt zu den Charakterzügen der vier Personen. Cal, gespielt von Mattias Schamberger, der unberechenbare und skrupellose Ingenieur, zeichnet sich durch ein kantiges Gesicht und zurückgekämmte und gegelte Haare aus. Horn (Tobias Beyer), der alles durch Worte zu regeln versucht, sieht auch eher unscheinbar aus mit seinem Schnurrbart und einer Halbglatze. Leonè (Rita Weniger) kauft man die Rolle der sprunghaften Person ab, die Horn nach Afrika folgt, obwohl sie ihn kaum kennt und die sich sofort in Albouri verliebt, obgleich sie ihm nur kurz begegnet ist.

Sehr überzeugend ist die Besetzung von Alboury durch Michael Ojake. Er gefällt mir am besten, da er auch ohne Worte überzeugt. Seine Präsenz ist zu spüren, ohne dass er etwas sagt. Jedoch wenn er etwas von sich gibt, klingt es sehr authentisch. Dies liegt auch daran, dass er einen leichten Akzent hat. Zusätzlich überzeugt er durch seine ruhige Art. Er gibt viele Weisheiten von sich.

Der einzige, aber meiner Meinung nach eher kleine Kritikpunkt ist, dass das Stück sehr langatmig wirkt. In der Vorstellung, die knapp zwei Stunden ohne Pause dauert, kommen nur wenige Szenen vor, in denen es etwas zum Lachen gibt. Dies liegt auch daran, dass von dem Stück die ganze Zeit eine angespannte, unruhige Wirkung ausgeht. Durch diese Ernsthaftigkeit ist man aber auch sehr aufmerksam, kritisch und nachdenklich, was das Thema angeht.

Ich persönlich finde den Titel sehr gut gewählt, da er den Inhalt treffend wiedergibt. Das Wort „Neger“ bezieht sich auf den Rassismus, der die ganze Zeit vorhanden ist; mit dem Wort „Hunde“ sind die Weißen gemeint. Durch diese zwei eher beleidigenden Bezeichnungen wird deutlich, dass das Theaterstück politische und vor allem soziale Probleme in den Vordergrund rückt.

Die Stärke des Beifalls spiegelt meine Meinung über die Aufführung sehr gut wider. Das Publikum klatscht fast fünf Minuten am Stück, und die Schauspieler lassen sich feiern. Das ganze Theater, inklusive unserer Klasse, gibt stehende Ovationen.

Ich finde, dass dieses Theaterstück sehr tiefgründig ist, da soziale, aber auch politische Themen behandelt werden und es einen zum Nachdenken anregt. Die Themen „Rassismus“ und „Ausbeutung“ sollten jeden beschäftigen. Allgemein kann man sagen, dass dieses Theaterstück einen Anstoß gibt, sich Gedanken zu machen und die Problematik aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Text: Max Thiel, 10c, Schulj. 2012/13

 

 

 

 

 

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