Fragen an Luis Lüps

Luis Lüps, Mitglied des Ensembles des Jungen Staatstheaters Braunschweig, ist den SchülerInnen der 10a in verschiedenen Rollen aufgefallen. Wir haben ihn in „Monster“, beim „Theatralen Parcours“ und in „Frühlings Erwachen“ gesehen. Seine körperbetonte Spielweise hat etliche umgehauen. Die Inszenierung von „Frühlings Erwachen“ und Luis Lüps’ unverkrampfte Darstellung des Melchior führt zu Diskussionen und ruft unterschiedliche Emotionen hervor. Als wir nun erfuhren, dass Luis Lüps zum Ende der Spielzeit das Staatstheater Braunschweig verlassen wird, baten wir ihn um ein Interview. Er erklärte sich bereit und antwortete frech, witzig und sehr unterhaltsam auf die Fragen. Doch lest selbst!

Wollten Sie schon als kleines Kind Schauspieler werden?

Luis Lüps: Nein. Ich wollte Präsident, Bundeskanzler, Verteidigungsminister und Superstar werden.

Wie kamen Sie zum Theater?

Luis Lüps: Ich besuchte die Waldorfschule Landsberg. Im Schultheater habe ich in drei Stücken mitgespielt: „Verlorene Liebesmüh“, „Die Physiker“ und eine Roman-Adaption von „Chocolat“. Beim letzteren Projekt habe ich tiefgreifende persönliche Erfahrungen aufgrund der Arbeit mit dem Regisseur Martin Umbach gemacht. Dieses Projekt war wohl die Initialzündung für meinen Werdegang.

Wie wird man Schauspieler?

Luis Lüps: Der traditionelle Weg führt über eine Schauspielschule. Der andere Weg ist, irgendwo zu spielen zu beginnen.

Wie lernt man die Texte?

Luis Lüps: Wie Vokabeln einerseits, andererseits durch Anbindung des Textes an körperliche, emotionale und gedankliche Vorgänge.

Wie schafft man es, viele Rollen auswendig zu lernen und parallel darzustellen?

Luis Lüps: Man macht es. Es ist der Beruf.

Gefällt Ihnen die Arbeit im Theater?

Luis Lüps: Ja und nein. Wenn man die Frage anders formuliert, ob mir Theaterarbeit gefällt, die Arbeit an sich, dann antworte ich „ja und nein“.

Wie fühlt man sich, wenn man nackt auf der Bühne steht wie z.B. in „Frühlings Erwachen“?

Luis Lüps: Jesus Superstar, nur ohne Lendenschurz. Es ist eine Extremsituation. Ich denke mir, wow, ist das krass.

Wie ist die Nacktszene in „Frühlings Erwachen“ entstanden und wie waren die Reaktionen darauf?

Luis Lüps: Das Nacktsein stand im Text. Wir haben entschieden, das eins zu eins so zu erzählen, und irgendwann haben wir auf einer der Proben die Hosen runtergelassen. Ein erhebender Moment. Ich bekomme aus dem Publikum nur mit, dass alle kreischen.

Welche Strategien gibt es, um seine Hemmungen zu überwinden?

Luis Lüps: Bereitschaft, Mut, Vertrauen, Lässigkeit

Was ist Ihr größter Traum?

Luis Lüps: Eine Lebensbegleiterin zu treffen. Alle Reisen machen zu können, die ich machen will. In unterschiedlichsten künstlerischen Kontexten arbeiten zu können und damit Geld zu verdienen. Und vor allem wünsche ich mir, nie aufzuhören, Quatsch zu machen.

Warum verlassen Sie das Staatstheater Braunschweig?

Luis Lüps: Weil das Staatstheater eine Maschine ist und ich kein Rädchen sein will. Ich möchte ein Rad sein und es nach meinen eigenen Bedürfnissen und meinem Tempo bewegen.

Welche Rollen haben Sie am liebsten in Braunschweig gespielt?

Luis Lüps: Den Prinzen in „Dornröschen“, „Verwandlung“, den Dad in „Monster“; eigentlich habe ich alle Rollen gern gespielt, außer den Schüler in „Pippi Langstrumpf“, den Hierbleiber in „Bis später“; aber grundsätzlich hat jede Rolle ihre guten Momente, die mich anturnen.

Fällt es Ihnen schwer zu gehen?

Luis Lüps: Ja und nein. Ja, weil ich Menschen hier mag, weil ich tolle Erfahrungen machen konnte, weil die Stadt so schön zwischen Hamburg und Berlin liegt, weil ich Café Haertle mag. Nein, weil die Stadt schrecklich ist, weil es nicht genug Wasser gibt, weil es keine Berge gibt, weil ich die schönsten Frauen von Braunschweig schon gesehen habe und weil mich die Kunststudenten immer aus der HBK rausschmeißen.

Können Sie es sich vorstellen, nicht mehr Theater, sondern ausschließlich Filmrollen zu spielen?

Luis Lüps: Hoffentlich werde ich bald Filmstar, und ich denke, mit irgendeiner Art Bühne werde ich schon immer in Kontakt bleiben.

Was sind Ihre Zukunftspläne?

Luis Lüps: Ich möchte herausfinden, worauf ich wirklich Bock habe und wenn ich den Bock gefunden habe, ihn so wild reiten, wie möglich; aber jetzt gehe ich erst mal eine Runde surfen nach Portugal.

Vielen Dank für Ihre offenen Antworten.

Die Fragen stellten SchülerInnen des WPK Deutsch Klasse 10 der RS Maschstraße zusammen.

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