Justiz-Drama „Terror“

„Freispruch!“ In dem Justiz-Drama „Terror“ soll das Publikum in einem nachgestellten Gerichtsverfahren entscheiden, ob der Angeklagte Lars Koch verurteilt wird. Er hat sich dem Befehl seines Vorgesetzten widersetzt und ein Passagierflugzeug abgeschossen, das von Terroristen entführt wurde und das in die vollbesetzte Allianz-Arena gelenkt werden sollte, um 70.000 Menschen zu töten.

Am 25.10.2016 wurde in Braunschweig um 19:30 Uhr im kleinen Haus das Justiz-Drama von Ferdinand von Schirach aufgeführt. Der Regisseur Nicolai Sykosch verwandelte den Theaterraum in einen Gerichtssaal.

Dass Terroristen unsere Sicherheit bedrohen, ist seit 2001 mit dem Anschlag auf das World Trade Center ein wichtiges Thema. Im Jahr 2015 folgte der Anschlag im Theater Bataclan in Paris.

Ferdinand von Schirachs Ziel ist es, dass sich das Publikum unvoreingenommen das Stück anschaut und sich in den Angeklagten hineinversetzt, um sein Urteil zu fällen. Die Frage, die er uns stellen möchte, ist, ob Lars Koch über das Leben von Menschen entscheiden darf. Darf er 164 Passagiere töten, um 70.000 Menschen zu retten? Ist es in solch einer Terrorgefahr erlaubt, ein Leben gegen das anderer abzuwiegen? Die Zuschauer sollen zum Nachdenken gebracht und dazu bewegt werden, die Beweggründe des Angeklagten und die Einwände der Staatsanwältin zu hinterfragen, um ihre Entscheidung zu treffen.

Der Theaterraum ist aufgebaut wie ein echter Gerichtssaal. Die ca. 250 Zuschauer sitzen als Schöffen um den Richtertisch herum und beobachten das Geschehen gespannt. Die Schauspieler werden hell ausgeleuchtet, während der Zuschauerbereich abgedunkelt ist. Die Tontechnik beschränkt sich lediglich auf den Einsatz von Mikrophonen für die Akteure.

Als der Angeklagte Lars Koch (Andreas Vögler) mit seinem Verteidiger Biegler (Moritz Dürr) den Raum betritt, wird das Publikum ruhig und schaut gespannt zum Geschehen. Lars Koch wird von dem Vorsitzenden (Hans-Werner Leupelt) über seine Rechte aufgeklärt und die Anklage wird verlesen. Darauf wird der erste Zeuge Christian Lauterbach (Matthias Schamberger) in den Zeugenstand gerufen. Die Staatsanwältin Nelson (Martina Struppek) setzt den Zeugen mit ihrer Befragung unter Druck. Darauf folgt die Anhörung der Witwe, Franziska Meiser (Rika Weniger). Zum Schluss verteidigt sich der Angeklagte und die Staatsanwältin hält ihr Plädoyer.

Besonders hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung von Hans-Werner Leupelt, da er seine Rolle als Vorsitzender gut verkörpert, sich unparteiisch und überzeugend verhält. Außerdem geht er auf seine Kollegen ein und verhält sich ruhig und ohne Hektik.

Das Theaterstück ist durchaus empfehlenswert, jedoch nur für etwas ältere geeignet, da das Stück viel Aufmerksamkeit und Mitdenken abverlangt. Außerdem sollte das Gesagte hinterfragt und nicht nur in „Schwarz“ und „Weiß“ betrachtet werden.

Alle Zuschauer im Saal applaudierten heftig.

Text: Ronja Militzer, Muriel Großkopf, Kl. 10c, Schulj. 2016/17
Bilder: © Volker Beinhorn

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